In memoriam Klaus Berger        

 
Klaus Berger wurde am 10.April 1954 in Heidelberg geboren. Er wuchs in einem gut behüteten Elternhaus auf, der Vater war Stadtplaner, Architekt.


Später interessierte sich Klaus sehr für Baukunst, insbesondere für romanische Kirchen.


Die Kindheit in den 50er Jahren, verlorener Krieg, mühsamer Aufbau,  aber das Selbstbewusstsein wuchs für eine verheißungsvolle Zukunft. Armut und Not gehörten nicht mehr zum alltäglichen Leben, Hunger und Katastrophen erfuhr man nur aus Geschichten.


Klaus Berger war später als Lehrer ein begnadeter Geschichtenerzähler.


In den 60er Jahren an der Grenze zwischen Kindheit und Jugend findet auch in Heidelberg ein gesellschaftlicher, politischer und moralischer Umbruch statt. Auch Klaus war ein Teil der Jugendkultur und schockte mit Musik, Mode und Aussehen auch seine Eltern. Mit langen Haaren und Bart beteiligte er sich an Sitzstreiks und Auseinandersetzungen und fand so


später oft für Probleme seiner Schüler ein offenes Ohr und menschliches Verständnis.


Nach dem Abitur und erfolgreicher Kriegsdienstverweigerung studierte Klaus Deutsch und Chemie für das Lehramt an Realschulen. Er unterrichtete dann am Abendgymnasium Deutsch für Erwachsene und legte damit einen Grundstock für spätere überaus erfolgreiche Elternarbeit und Selbstverwaltung an der Offenburger Waldorfschule.


Er lernte die Waldorfpädagogik kennen und fand in der Anthroposophie Antwort auf seine Fragen und entwarf einen neuen Lebensplan im Dienste der Erziehungskunst Rudolf Steiners.


Er besuchte die Freie Hochschule Mannheim-Lehrerseminar und lernte dort zahlreiche Künste kennen, die ihn zu eigenem künstlerischem Schaffen inspirierten.


Mit seiner Ehefrau Karin, mit der er 33 Jahre verheiratet war, stellte er sich 1984 in der alten Schule in der Rheinstrasse vor und übernahm seine erste 1.Klasse, weitere geschlossene Durchgänge folgten. Er arbeitete auch noch als Englischlehrer und später als Religionslehrer des freien christlichen Religionsunterrichtes.


Auch in der Selbstverwaltung der Schulgemeinschaft war er recht aktiv, als Aufnahmelehrer war er schon den Kindergartenkindern bekannt. Als jahrelanger Verwaltungsrat führte er unzählige Gespräche auch in schwierigen belastenden Auseinandersetzungen.


Nicht nur als Leiter der pädagogischen Konferenz brachte er immer neue Forschungsergebnisse und freute sich sehr, wenn dadurch Grundlagen der Waldorfpädagogik bestätigt wurde. So waren u.a. seine Lieblingsthemen die Sinneslehre, Salutogenese, Hirn- und Rhythmusforschung.  Dazu hielt er auch außerhalb der Schule Vorträge.


Auch die Elternarbeit im Eltern-Lehrerkreis oder an pädagogischen Wochenenden war ihm ein wichtiges Anliegen seiner pädagogischen Arbeit.


R. Steiner forderte in dem 1. Vortrag der Allgemeinen Menschenkunde für die Urlehrer


eine lebendig werdende Wissenschaft, eine lebendig werdende Kultur und eine lebendig werdende Religion, das sei schließlich Unterricht, das sei schließlich Erziehung. Diese


Aufgabe hat Klaus Berger verinnerlicht und konnte alle drei Bereiche authentisch in seine Unterrichte einbeziehen.


Vieles war in sehr bildhafter Weise in Geschichten gekleidet, die meistens durch eine besondere Steigerung oder Übertreibung  unvergesslich wurden.


Viele Künste bereicherten seinen Lehrauftrag, er spielte selbst gerne Theater unter eigener oder fremder Regie (z.Bsp. Siggi Schwarz ) – war allen 3 Weihnachtsspielen  eng verbunden


und bleibt unvergesslich als Gottvater, Hirte oder Hauptmann. Aber auch viele Klassenspiele oder Fastnachtsstücke, Zirkusballaden entstammten seiner Feder.


In der Freizeit war er oft mit Kamera und Foto unterwegs und hinterlässt uns viele schöne Naturstimmungen, Bäume, Landschaften, Wolken in näherer oder weiterer Umgebung.


In seinem Klassenzimmer beeindruckten phantasievolle Tafelbilder und Formenzeichnungen.


Reiseeindrücke hielt er gerne auch in Aquarellstimmungen fest.


Von mancher Reise brachte sich Klaus auch eine Gitarre mit, er spielte gerne klassische Musik, aber hörte selbst auch moderne Musik.


Auch Archäologie, Botanik,  Mineralogie, Geschichte lieferten reiche Betätigungsfelder für Klaus Berger und viele Fundstücke gaben Anlass für zahlreiche Geschichten.


Würde man seine selbst verfassten Zeugnissprüche oder kleine Theaterstücke sammeln, würden sie ein Buch füllen, das der Anregung junger Kollegen dienen würde.


Gut vorbereitete Kunstfahrten mit den Klasseneltern oder Kollegen zu romanischen Kirchen im benachbarten Elsass, ließen die Schätze der Romanik erlebbar werden.


Oft sah man den Kollegen Berger mit Hut und langem Regenmantel auf dem Schulhof in der großen Pause oder bei Klassenausflügen, die oft den Regen anzogen. Der Regenmantel diente auch als Schutzmantel für die kleineren Schüler und die aufziehende Regenfront als Beweis für den ansteckenden Humor, den Klaus Berger alltäglich verbreiten konnte und damit mancher Konferenz Flügel verlieh, was nicht immer jedem Konferenzleiter gefiel, denn der Humor steckte zum Lachen an und infizierte die nähere Umgebung von Sitzungsteilnehmern.


Hunde gehörten immer mit zum Bild der siebenköpfigen Familie Berger und auch um die Hunde rankten sich Geschichten, wie der spaghettikochende Hund.


Eine Pilgerreise nach Santiago di Compostela wurde von Klaus lange spirituell und körperlich vorbereitet, sie gab ihm tiefergreifende Grenzerfahrungen auf verschiedenen Gebieten, er lief auch abseits der bekannten Pilgerpfade und hatte schon die Vorboten einer tragisch verlaufenden Krankheit mit sich auf dem Weg.


Viele kleine, dunkle Abschiede begleiteten die letzten Tage aber auch helle, tragende Momente gehörten dazu, wie das großartige Benefizkonzert in der Schule an dem sich viele ehemalige Schüler und Schülerinnen, Eltern und Kollegen beteiligten, aber auch die bescheidenen Hilfsangebote für die Familie in harter Zeit.


Am Freitag, den 12.Februar in der Mittagsstunde bei leichtem Schneefall wie am Tag seiner  Geburt ging Klaus Berger über die Schwelle des Todes.


Jeder Abschied ist die Geburt einer Erinnerung, ich bin mir sicher, dass sich unsere


Schulgemeinschaft noch oft an Klaus Berger erinnern wird in Liebe und Dankbarkeit für


Alles , was er uns in den vielen gemeinsamen Jahren gegeben hat.


Ich wollte nur einige Pinselstriche aus einer reichen Biographie ziehen, da ich der Überzeugung bin, die Ergänzung wird von vielen Menschen vorgenommen, um die Einzigartigkeit von Klaus Berger erinnernd zu beschreiben.


Lieber Klaus, für mich bist Du nicht weit weg- sondern nur auf der anderen Seite des  Weges!


Wolfgang Meyer-Buerdorf(L)