Informationen zum Religionsunterricht der Freie Waldorfschule Offenburg

Evangelischer Religionsunterricht
 

Leitgedanken
Der evangelische Religionsunterricht fördert Religiöse Bildung und leistet damit einen eigenständigen Beitrag zum allgemeinen Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule. Der Unterricht ist offen für Schülerinnen und Schüler unterschiedlicher Überzeugungen und führt damit zur Verständigung in der Pluralität.
Der evangelische Religionsunterricht zielt zunächst auf überprüfbare Kompetenzen und Inhalte, wobei sich der Glaube selbst einer Überprüfung entzieht. Die Religionslehrer geben den Schülern im wöchentlichen Unterricht Impulse, sich mit christlichen Werten, biblischen Geschichten, lebensweltlichen Fragen und der Bedeutung kirchengeschichtlicher Ereignisse auseinander zu setzen.

Aufgaben und Ziele
Evangelische Religionslehrer und Religionslehrerinnen begleiten Kinder und Jugendliche bei ihrer Suche nach Orientierung und Lebenssinn. Auf altersgemäße Weise wird der Zusammenhang von Glauben und Leben dargestellt. Der evangelische Religionsunterricht ermöglicht, die Bedeutung des Evangeliums von Jesus Christus im Leben zu entdecken und im christlichen Glauben eine Hilfe zur Deutung und Gestaltung des Lebens zu finden. Er informiert nicht nur über den Glauben, sondern bringt die Heranwachsenden auch mit Glauben als Einstellung, Haltung und Lebenspraxis in Berührung.

Wahrnehmen und begleiten
Der evangelische Religionsunterricht nimmt Kinder und Jugendliche mit ihren Lebensfragen, Sorgen, Ängsten, Erwartungen und Hoffnungen ernst. Er achtet sie als Mitgestalterinnen und Mitgestalter ihrer religiösen Alltagswelt und stärkt die Hoffnung auf eine lebenswerte Zukunft (Was dürfen wir hoffen?). Er ermutigt Mädchen und Jungen, sich selbst und einander als Geschöpfe Gottes mit individuellen Gaben und Grenzen im Blick auf gemeinsame Aufgaben anzunehmen und zu stärken (Wer bin ich?). Er nimmt plurale Lebensverhältnisse, religiöse Phänomene und Sinndeutungsangebote auf. Er gibt Raum zur Wahrnehmung und Reflexion in individueller, gemeinschaftlicher und gesellschaftlicher Perspektive (Wie sehen wir die Welt?).

Wissen, Verstehen und Kommunizieren
Der evangelische Religionsunterricht öffnet den Blick für die christliche Prägung unserer Kultur und führt elementar in die biblisch-christliche Tradition ein (Woher kommen wir?). Er befähigt die Heranwachsenden zur Auslegung der Bibel und fördert altersgemäße Zugänge. Er setzt die biblisch-christliche Tradition dem kritischen Gespräch aus und hilft, religiöse Sprach- und Gestaltungsfähigkeit zu entwickeln. Er dient der individuellen, gemeinschaftlichen sowie gesellschaftlichen Orientierung und ermöglicht Schritte auf dem Weg zum persönlichen, verbindenden Glauben (Was glauben wir?).

Gestalten und verantwortlich Handeln
Der evangelische Religionsunterricht dient in Dialog und Auseinandersetzung mit anderen Sinn- und Wertangeboten dem kulturellen Verstehen und der Gestaltung des gesellschaftlichen Miteinanders. Er befähigt am „Streit um die Wirklichkeit“ teilzunehmen, indem er Schülerinnen und Schüler anleitet, eigene Positionen zu entwickeln und zu vertreten. Er ermöglicht Begegnungen und fördert die Bereitschaft, andere Auffassungen zu tolerieren und von anderen zu lernen (Was ist wahr?).
Er befähigt, mit anderen zusammen die Frage nach Gut und Böse, Recht und Unrecht zu stellen, und setzt sich für ein Leben in Freiheit, Demokratie und sozialer Verantwortung ein. Er ermutigt zu verantwortungsvollem, solidarischem Handeln auf der Grundlage christlicher Wertvorstellungen und übt dieses exemplarisch ein (Was sollen wir tun?).
Über das eigenständige unterrichtliche Anliegen hinaus beteiligt sich der Religionsunterricht an Bemühungen, die Schule als Lebens- und Erfahrungsraum für alle Beteiligten zu gestalten.

Gedanken zum katholischen Religionsunterricht

Der katholische Religionsunterricht möchte die religiöse Dimension des Menschseins erschließen. Er versteht sich als Dienst an den Schüler/innen, greift Lebenssituationen auf und gibt Hilfen, sie aus der Botschaft des christlichen Glaubens heraus zu deuten.
In der Grundschule/Primarstufe will er den  Kindern helfen, ihr Leben und Erleben auf  die religiöse Erfahrung zu öffnen. Neben der ganzheitlichen Vermittlung religiösen Grundwissens wird mit viel Einfühlungsvermögen der kindlichen Religiosität Raum gegeben.
Kindgemäße Spiritualität wird durch Stille, Beten, Singen, Fest und Feier „angebahnt“,
Feste und Brauchtum werden dem Kirchenjahr entsprechend erschlossen. Vertrauen anbahnen und stärken gehört ebenfalls zu den Schwerpunkten für den Anfangsunterricht.
In der Sekundarstufe werden die Schüler/innen ermutigt, sich mit ihrer Lebensgeschichte, mit ihren eigenen Begabungen und Grenzen auseinander zu setzen und Vertrauen in ihr eigenes Leben zu gewinnen. Sie werden mit Vorbildern vertraut gemacht, die ihnen in der Auseinandersetzung sittlich-ethisches Handeln anbieten. Das Vertrautwerden mit grundlegenden religiösen Erfahrungen und Traditionen in der Bibel und in der Kirche sind wesentlicher Bestandteil.
Die Erörterung der  Wertvorstellungen wie die Würde des Menschen, Schutz des Lebens, Verantwortung für die Schöpfung, Toleranz und Gewaltlosigkeit soll eine christliche Einstellung fördern und zu verantwortungsvollem, solidarischem Handeln als Christ ermutigen. Erlebnis- und handlungsorientierte Lernwege sollen dies unterstützen.
Wir sehen unsere Aufgabe darin, mit den Schüler/innen einen Weg zu gehen, der
sie hinführt zu einem christlichen Leben.

Der freie christliche Religionsunterricht

Ursprünglich war es nicht vorgesehen, an der 1919 gegründeten ersten Waldorfschule, neben den katholischen und evangelischen Religionsunterrichten, einen freien Religionsunterricht anzubieten. Da es sich jedoch schon bald zeigte, dass viele der neuen Schüler, besonders die Arbeiterkinder der Waldorf-Astoria-Zigarettenfabriken, nicht getauft waren, wurde für diese Kinder ein freier Religionsunterricht eingeführt. Dieser verstand sich zwar auch als in christlicher Tradition stehend, sollte jedoch nicht an eine bestimmte Konfession gebunden sein.

Im Unterschied zu den anderen Religionsunterrichten, auch dem der 1922 gegründeten Christengemeinschaft, ist es nicht das Anliegen des freien Religionsunterrichts ein Gemeindeleben außerhalb der Schule zu pflegen.

Die Unterrichtsinhalte des freien Religionsunterrichts orientieren sich dabei an dem allgemeinen Stoff des Waldorflehrplans und hier insbesondere an den Inhalten des Erzählteils. Dabei handelt es sich in den ersten drei Klassen vor allem um Märchen, Legenden und das Alte Testament, später dann auch um Inhalte des Neuen Testaments, sowie allgemein um Schilderungen besonderer Lebensschicksale. In den höheren Klassen werden auch die Inhalte aller Weltreligionen behandelt. Es besteht kein grundsätzlicher Lehrplan, da viele Themen sich auch aus der Situation und den Fragen jeder einzelnen Klasse ergeben, was sehr unterschiedlich sein kann.

Auch wenn keinesfalls angestrebt wird, die Kinder in eine bestimmte Glaubensrichtung hinein zu erziehen, so liegt das Hauptmotiv des Unterrichts doch durchgehend in dem Bestreben, die Kinder zu Ehrfurcht und Dankbarkeit einer höheren Welt gegenüber anzuleiten und in ihnen eine Empfindung dafür zu wecken, dass in den Erscheinungen der Natur oder hinter dem Walten des Schicksals etwas Göttlich-Geistiges lebt, zu dem der Mensch in ein freies Verhältnis treten kann..
Im Rahmen dieses Unterrichts bieten die Lehrer ihren Schülern auch so genannte „Handlungen“ an, um ihnen ein kultisches Erlebnis zu ermöglichen. Diese finden an unserer Schule zumeist nach den Monatsfeiern oder bei besonderen Anlässen statt. Es können allerdings alle Schüler (und ihre Eltern), auch wenn sie sonst nicht zum freien Religionsunterricht gehen, zu diesen „Handlungen“ kommen.
Zum Religionsunterricht der Christengemeinschaft:

Die Christengemeinschaft ist eine Religionsgemeinschaft, in der sowohl die Einsicht in die Notwendigkeit des sakramentalen Gottesdienstes, als auch an die individuellen Bedürfnisse des modernen Menschen leben.

Der Religionsunterricht der Christengemeinschaft ist ein konfessioneller Unterricht, der von dafür ausgebildeten Lehrern im Auftrag der Gemeinde gehalten wird. Er ist unabhängig von einer Taufe jedem Kind frei zugänglich und beginnt mit dem Schulalter innerhalb des Unterrichts an der Waldorfschule im Zusammenhang mit dem Lehrplan.
Er gliedert sich in den Unterricht für Kinder vom 7. bis zum 14. Lebensjahr, als Ergänzung zum Besuch der kultischen Sonntagshandlung in der Gemeinde, und in den Unterricht nach der Konfirmation für Jugendliche bis zum Abschluss der zehnten Klasse.
Der Lehrplan ist der seelischen und geistigen Entwicklung des Menschen abgelesen. Das Wissen von Tatsachen der Religion soll nicht das Leben mit Religion ersetzen; der Unterricht soll aber die eigenen religiösen Kräfte stärken.
In den ersten Jahren soll der natürliche Sinn kindhafter Religiosität geweckt werden. In Märchen, Legenden, Mythen, erfährt das noch bildhafte Bewusstsein des Kindes seine Ausweitung zu einer Liebe zur Schöpfung. Zu den Erzählungen im Unterricht gehören die Grundereignisse des Alten Testamentes. In den folgenden Jahren werden die Kinder mit dem Erdenleben Jesu Christi, seinen Taten uns seinen Wirkungen in der heutigen Zeit vertraut gemacht.
Nach der Konfirmation kann die Wirksamkeit des Heiligen Geistes an der Entfaltung des Christentums wahrgenommen werden. Eine Kenntnis der Weltreligionen wird angestrebt.


Das Ziel der Unterweisung ist ein selbständiges, freies Urteil bilden zu können.

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