Völkerball-Turnier in Offenburg

Fangen, werfen, treffen

Erstmals in Offenburg: Südbadens Waldorfschulen spielen ihren Völkerballmeister aus

 

Zum ersten Mal fand das Regio Völkerball-Turnier in Offenburg statt. Die Geschwister-Scholl-Halle wurde vergangenen Samstag für fast 200 junge Sportler samt Anhang zum kleinen Hexenkessel. Die achte Klasse der Waldorfschule Elztal holten sich den ersten Platz, die Offenburger Teams machten Platz sieben (8. Klasse) und Platz zwölf (7. Klasse).

 

Der Ball fliegt, der Spieler springt, die Halle bebt, Egal ob ein Spieler getroffen wird oder flink dem Ball ausweichen kann, der Beifall ist ihm gewiss. Völkerball hat viele Fans. Bislang fanden die Wettkämpfe immer in Freiburg statt, wo es gleich drei Waldorfschulen gibt, dieses Jahr hatte Offenburg die Ehre und Verpflichtung das Regio Völkerball-Turnier auszurichten. Da spielen Freiburger Hurricanes gegen die Frech-Daxe aus Dachsberg und Baumschule St. Georgen gegen die Crazy Kangaroos aus Emmendingen. Natürlich sind die T-Shirts alle fantasievoll bunt und aus der eigenen Werkstatt.

 

 

Der Organisator, Sportlehrer Hermann Fuchs von der Freien Waldorfschule Offenburg, ist vollauf zufrieden. „Die Stimmung ist entspannt“, sagt er, „wir haben hier in der Halle zwei Spielfelder und können also immer zwei Spiele gleichzeitig laufen lassen.“ (In Freiburg stand nur ein Spielfeld zur Verfügung.) Das bringt einen zügigen Ablauf und heizt die Stimmung auf, denn es sind ja immer gleich vier Mannschaften gleichzeitig beteiligt. „Das Spiel ist erlebnisreich“, sagt Fuchs, „die sieben Minuten kompakt.“ Dass die Waldorfschulen Völkerball so ins Herz geschlossen haben, hat sich eher zufällig entwickelt. Als freie Schule hatte man nicht immer den Raum für die üblichen Wettkampfspiele und da bot sich Völkerball als Alternative an. Die Tradition geht bis in die 20er-Jahre zurück.

 

 

Gespielt wird in Mannschaften mit zehn Spielern, von denen mindestens vier Mädchen sind. Die Spieldauer beträgt sieben Minuten. Die Fans jauchzen. Fahnen werden geschwenkt, Banner hoch gehalten. Geschrei wie Indianergeheul. Die letzte – oftmals entscheidende – Minute wird mit dem Megaphon angekündigt.

 

 

Die Spiele sind ein rasantes hin und her von fangen, werfen, ausweichen und getroffen werden. Treffer am Kopf zählen nicht, Fairness ist die Regel, auch bei den Endspielen. Da trifft der starke Werfer auf den Spieler, der jeden Ball fängt. Da findet der Spieler, der jeden Wurf ausweichen kann, seinen Meister.

 

 

Im Finale trifft Klasse sieben auf Klasse acht der Waldorfschule Elztal. Das „Derby“ gewinnen die Achtklässler. Johannes, 14, und Valentin, 13, vom Siegerteam sind baff. Vergangenes Jahr landeten sie auf Platz 10, die Vorbereitung war auch nicht so doll und trotzdem hat's geklappt. Wie das? „Wir sind eine Turniermannschaft“, sagt Johannes und „haben uns von Spiel zu Spiel gesteigert“, ergänzt Valentin. Klassenlehrerin Silke Heere-Lehmann freut sich mit. Immerhin haben Achtklässler in der Waldorfschule ganz schön viel zu tun, zusätzlich zum normalen Unterricht müssen sie eine ambitionierte Jahresarbeit schreiben und als Klasse ein Theaterspiel auf die Bühne bringen. Da ist doch ein Turnier ein Klacks dagegen.

 

 

Pascal Cames (pc), Offenburg, den 7. Februar 2011

Bilder: B. Müller, P. Cames